Polar M600


Polar M600 Tracker

Polars nächster Vorstoß in die Königsdisziplin aller Fitness-Tracker ist der Polar M600, welcher seit Ende 2016 auf dem Markt erhältlich ist. Käufer sollten sich von dem etwas rustikalem Look nicht täuschen lassen, denn diese Uhr kommt mit dem Android-Wear-System von Google daher. Damit vollzieht der Hersteller den Sprung von GPS-Sportuhr für die Kontrolle der eigenen Fitness hinzu einer echten Smartwatch und wildert in dem Revier von vergleichbaren Angeboten von Apple, Samsung oder Motorola.

 

info

Polar M600 im Test

Design und Handhabung

Polar bleibt seinem Metier treu ergeben und schießt sich trotz Google-Betriebssystem nicht auch auf die typische, filigrane Bauart einer Moto 360 Sport und Konsorten ein. Deutlich klobiger und breiter unterstreicht das Gerät ohne jeden Zweifel den ihm zugedachten Einsatzzweck. Es wirkt eben wie ein typisches Sportaccessoire. Das Silikonarmband fällt äußerst breit aus und unterstreicht so den recht wuchtigen Stil zusätzlich. Spürbar geschrumpft ist die Anzahl der Knöpfe. Hier gibt es gegenüber dem M400er-Modell nur noch zwei Buttons. Das zentrale Bedienelement startet per Druck den automatischen Aktivitätenscan. Ansonsten wird die Navigation wie üblich für die Art von Smartwatch per Touch über das Display realisiert.

Für den alltäglichen Gebrauch in der Praxis soll der zweite Knopf für das Zurückschalten die Steuerung etwas erleichtern. Mit 1,3 Zoll liegt der Bildschirm auf einer sehr augenfreundlichen Größe und bietet mit 240 x 240 Pixel im Tracker Test eine noch annehmbare Auflösung an. Geschützt wird das wohl wichtigste Element zudem durch Gorilla Glass der dritten Generation. Die Helligkeit und Farbstärke sind in geschlossenen Räumen ausgezeichnet, während unter Sonneneinstrahlung die Darstellung sichtlich eintrübt.

Allgemein hat der Fitness Tracker im Vergleich zu reinrassigen Konkurrenten hinsichtlich der visuellen Leistung das Nachsehen. Vor allem die grobe Pixelstruktur lässt feine Linienmuster auf dem Bildschirm hervortreten. Ein Tausch der Armbänder bleibt bei Beschädigung eine sinnvolle Reperaturoption, auch wenn die Farbauswahl mit Schwarz, Weiß und Rot derzeit noch sehr spärlich ausfällt. Dennoch: Diese Eigenschaft ist sehr begrüßenswert und hilft zudem auch bei der Beseitigung von Verunreinigungen. Mehrere Einschublöcher erlauben eine angemessene Anpassung der Schließe an Handgelenke kräftiger sowie zarter Natur gleichermaßen.

Schwimmern bietet die Smartwatch dank wasserdichter Spezifikation (10 Meter) eine alltagstaugliches Gehäuse unter Wasser. Die Kehrtwende hin zu einem geschlossenem Ladesystem ist leider eine bedauerliche Entscheidung. War der Polar M400 noch mit einer weitverbreiteten Micro-USB-Buchse gesegnet, so müssen Anwender hier erneut zu einer proprietären Lösung greifen – auf Kosten der Mobilität. Angesichts kabelloser Alternativen hierfür wirkt dies einer Smartwatch etwas unwürdig und altbacken. Vorsicht: Die Laufzeit schwankt abhängig vom genutzten Betriebssystem des Smartphones. Android-Geräte erlauben zwei Tage bei gemäßigtem Gebrauch und 8 Stunden unter der Nutzung des GPS. Beim iPhone steht hingegen nur ein Tag im Mixed-Mode zur Verfügung.

Exzellentes All-in-One-Gerät mit gutem App-Support

Polar M600 Tracker

Natürlich steht bei diesem Gerät die Fitness im Vordergrund. Der Tracker zählt Schritte, misst Geschwindigkeit und Distanzen und präsentiert nach getaner Arbeit den mutmaßlichen Kalorienverbrauch. Aktivitäten lassen sich unterschiedlichen Sportarten und Bewegungsmustern zuordnen. Darunter fallen etwa Eislauf, gewöhnliches Laufen, aber auch Radfahren und Schwimmen.

Zusätzlich hilft das GPS nicht nur bei der Erhebung von Informationen, sondern markiert automatisch den Startpunkt der aktuellen Aktivität auf der Karte. Die Suche nach einem Ortungssignal verläuft rasch. Nicht selten ist nach wenigen Sekunden die eigene Position ausfindig gemacht. Besonders Ausdauersportlern unter freiem Himmel dürfte dieses kleine Navi-Extra zusagen. Zwar ist die Nutzung eines Brustgurtes dank des verbauten Pulssensors mit gleich sechs LEDs nicht mehr notwendig für die Überwachung des Herzschlags, kann aber optional immer noch hinzugezogen werden. Hierfür bietet Polar sogar entsprechende Bundles mit dem beliebten H7-Brustgurt an.

Permanent sorgt sich die Uhr allerdings nicht um die Herzgesundheit. Außerhalb von Workouts ruht die Herzkontrolle und muss manuell aktiviert werden. Der Vorteil dieses Setups besteht in der Mobilität und einfachen Handhabung: Smartphone, Fitness-Tracker mit Pulsmessung und GPS in einem Gerät. Unnötiger Ballast darf zu Hause verweilen. Workouts lassen sich außerdem jederzeit Pausieren und fortführen – sehr komfortabel, sollte einmal etwas dazwischen kommen. Dank der praktischen Polar Flow App erweitert sich der Anwendungsbereich der Trackers. Einfache Schlafüberwachung und weitere Details über Schritte oder Gangart finden sich darunter. Allerdings ist dies alles nur als komfortable Alternative gegenüber dem kleineren Bildschirm anzusehen. Viele der Informationen können Nutzer nämlich direkt an der Smartwatch selbst ablesen.

Grundsätzlich gibt es gegen den App-Gebrauch nichts zu sagen. Logischer Aufbau, klare Präsentation und weiterführende Einzelheiten lassen Neugierige tief in die eigene Datenbestände eintauchen. Windows-Phones werden leider mit keiner passenden App bedacht. Nur Google- und Apple-Anwender erhalten über das Smart-Gerät Zugriff. Dafür gibt es ein beachtenswertes App-Sortiment von Drittanbietern (MyFitnessPal), die mit der Polar-Hardware hervorragend harmonieren.

Android Wear 2.0 in Aussicht

Trotz der Android-Software als Fundament arbeitet der Fitness Tracker bereitwillig mit iOS-Phones zusammen. Apple-Jünger müssen sich also keine Sorgen bezüglich der Kompatibilität machen. Doch leider warten derzeit kleine Einschränkungen auf iPhone-Besitzer. Auf Apple-Geräten funktionieren Apps von Drittanbietern häufig nicht, was die direkte Bedienung des Smartphones nötig macht. Die Vorzüge der Google-Erweiterung liegen hingegen klar auf der Hand. Nun können Träger nicht nur die üblichen Smart-Notifications auffangen, sondern auch Suchen via OK-Google-Befehl initiieren. Hinweise auf interessante Standorte, personalisierte Informationen wie Wetter und natürlich Zugriff auf den Playstore und der Musikbibliothek für unterwegs sind hier nur einige der Möglichkeiten. Das Mitführen eines Smartphones ist damit quasi überflüssig.

Derlei Fähigkeiten benötigen ohne Frage einen potenten Hardware-Unterbau. Als Chipsatz wählt Polar den MediaTek MT2601 aus, der über eine Dual-Core-CPU verfügt. Zusätzlich stehen dem Gerät 4 GB interner Speicher und 512 MB Arbeitsspeicher zur Verfügung. Neben gelegentlichen, feinen Verzögerungen arbeitet der Fitness-Tracker im Zusammenspiel mit GPS und Herzratenkontrolle über die firmeneigene App ohne störende Einbrüche. Kein Risiko geht Polar auch bei der Standortbestimmung ein: GPS und das russische Äquivalent GLONASS sind beide voll funktionsfähig integriert. Ein Upgrade zu Android Wear 2.0 per Update soll im Frühjahr 2017 folgen.

Weitere Bilder (Klicken zum Vergrößern):

 

Vorteile und Nachteile vom Polar M600

Vorteile:

  • GPS-Sensor
  • Pulsmessung
  • Wasserdicht bis 10 Meter
  • Touchscreen
  • Sprachbedienung
  • Android-Wear Smartwatch Funktionen
  • Herzfrequensmessung
  • Viele Sportprofile
  • Benachrichtigungsfunktion
  • Armaband austauschbar

Nachteile:

  • Keine 24/7 Herzfrequensmessung
  • Mäßige Akkulaufzeit
  • Apple Funktionen nicht ganz unterstützt bisher
  • Etwas klobig für schmale Handgelenke

Fazit vom Polar M600

Im Vergleich zu anderen Smartwatches mutet die Polar M600 im Tracker Test zunächst wie ein hässliches Entlein an. Allerdings erfolgt die Transformation zum schönen Schwan recht zügig, sobald es um die Frage nach ausgefeilten Tracking-Features geht. Das Wearable bietet zahlreiche Funktionen vieler Kollegen auf dem Markt, kann aber eben auch dank Android-Wear als Smart-Gerät auftrumpfen. Der Support von Third-Party-Apps ist zudem exzellent und einer der Kaufargumente für den Fitness Tracker.

Ebenso geht die Auswahl an unterschiedlichen Workouts und deren Erkennung über das reine Auswerten von einfachen Läufen hinaus. Die Ausstattung hinterlässt dank GPS und Pulssensor einen hervorragenden Eindruck und das wasserdichte Gehäuse rundet das Paket zusätzlich ab. Steht eher der Sinn nach einem echten Spezialisten, kann das praktische Android-Wear aber auch zur Belastung werden. Schließlich verbraucht das Betriebssystem mitsamt Hardware zusätzlichen Strom. Unterm Strich ist das Wearable für jeden Fitnessliebhaber geeignet, der gerne unterwegs auf App-Anbindung über Android und Benachrichtigungen nicht verzichten möchten.